10. November 2025
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Tjaco Twigts Update und Ausblick 2026 für die Niederlande
Zum Ende seines ersten Geschäftsjahres blickt das Unternehmen zurück – und nach vorn: Tjaco Twigt, Geschäftsführer von ERP Netherlands, spricht über den Textilmarkt und gibt einen Ausblick auf 2026.
Wie wirkt sich Ihre Arbeit bei ERP Netherlands positiv auf die textile Wertschöpfungskette aus?
Ein entscheidender Hebel für Veränderungen im Bereich der Alttextilien ist die Weiterentwicklung bestehender Sortierpraktiken.
Heute konzentrieren sich Sortierbetriebe vor allem darauf, Textilien für die Wiederverwendung vorzubereiten. Mit der rasanten Ausweitung von Textil-zu-Textil-Recyclinglösungen ist es jedoch unerlässlich, Prozesse zu entwickeln, mit denen Textilien auch für das Recycling getrennt werden können.
Indem wir Sortierbetriebe in die Lage versetzen, hochwertige Ausgangsmaterialien für diese neuen Systeme bereitzustellen, können wir zirkuläre Wertschöpfungsketten im großen Maßstab erschließen und den Übergang der Branche zu echter Kreislauffähigkeit beschleunigen.
„Wir arbeiten inzwischen mit dem Textil-zu-Textil-Recycler – auf Ihre Empfehlung hin“, erzählte uns kürzlich der Geschäftsführer einer Secondhand-Organisation in einem Gespräch.
Dieses Beispiel verdeutlicht, wie ERP Netherlands arbeitet: Wir investieren Zeit, um unsere Partner in der Rücknahmekette zu besuchen, mit ihnen zu diskutieren und gemeinsam Verbesserungen zu erzielen.
ERP unterstützt diese Partner finanziell und trägt dazu bei, ihre Leistung zu steigern – eine wesentliche Voraussetzung, um die ambitionierten Ziele der niederländischen Regierung zu erreichen.
Wie unterstützt ERP Netherlands seine Kunden dabei, ihre Ziele für 2025 zu erreichen?
Um die Wiederverwendungs- und Recyclingziele für 2025 zu erreichen, hat ERP Secondhand-Organisationen, Sammelbetriebe, Sortierbetriebe und Recycler unter Vertrag genommen.
Da wir genügend Vereinbarungen abgeschlossen haben, können wir das Hauptziel von 50 % Wiederverwendung und Recycling der im Jahr 2024 in Verkehr gebrachten Textilien erfüllen. Tatsächlich erreichen wir derzeit 101 % des Gesamtziels.
Damit verfügen wir über eine kleine Reserve, falls die tatsächlichen Wiederverwendungs- und Recyclingquoten unserer Vertragspartner unter den Prognosen bleiben.
Wie wichtig ist die Beteiligung der Verbraucherinnen und Verbraucher?
Um künftige Ziele zu erreichen, müssen die Sammelquoten deutlich steigen. Damit wird die Beteiligung der Verbraucherinnen und Verbraucher zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Da eine einheitliche Ansprache der Bevölkerung am sinnvollsten ist, suchen wir aktiv die Zusammenarbeit mit anderen Rücknahmesystemen (PROs), mit Kommunen sowie mit Marken, Herstellern und Importeuren.
Gemeinsam mit CCT, einem der beiden anderen Rücknahmesysteme, werden wir eine Informationsplattform für Verbraucherinnen und Verbraucher aufbauen und sicherstellen, dass Marken, Secondhand-Organisationen, Sammelbetriebe und Kommunen diese Plattform für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit nutzen können.
Wir orientieren uns an der Ja-/Nein-Liste, die vom Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft (Rijkswaterstaat) entwickelt wurde. Sowohl die Liste als auch die Website werden zunächst nur in niederländischer Sprache verfügbar sein. Weitere Informationen folgen!
Darüber hinaus haben ERP und der Niederländische Verband für Abfallwirtschaft (NVRD) eine Absichtserklärung unterzeichnet, die gemeinsame Prinzipien und Kooperationsfelder festlegt.
Schwerpunkte sind die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern, Berichtsstandards und -methoden, Sammlungen im öffentlichen Raum sowie die damit verbundenen Kosten. Der NVRD vertritt die niederländischen Kommunen.
Nimmt ERP am nationalen Textil-Roundtable teil?
Ja. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Akteuren ist ERP an der Bildung des Textil-Roundtables beteiligt, in dem über die Zukunft der textilen Kreislaufwirtschaft in den Niederlanden gesprochen wird.
Der Roundtable befasst sich mit Fragen innerhalb der Rücknahmekette sowie mit Möglichkeiten, zirkuläre Textilunternehmen in den Niederlanden zu unterstützen und zu fördern.
Die Gruppe hat einen Brief an die Staatssekretärin für Infrastruktur und Wasserwirtschaft geschickt, die positiv reagiert und ihre Unterstützung sowie Teilnahme am Roundtable zugesagt hat.
Da die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien nun in der EU-Gesetzgebung verankert ist – wie baut ERP seine Aktivitäten aus?
Mit der Veröffentlichung der überarbeiteten Abfallrahmenrichtlinie (Waste Framework Directive, WFD) im Amtsblatt der Europäischen Union am 16. Oktober 2025 haben nun alle Mitgliedstaaten 30 Monate Zeit, die neuen Vorschriften umzusetzen.
Zwar ist die Einführungspflicht europaweit harmonisiert, doch zeigen sich bereits unterschiedliche nationale Schwerpunkte: Während einige Länder Sammelquoten in den Vordergrund stellen, konzentrieren sich andere stärker auf Wiederverwendung und Recycling.
Da die Rücknahmekette für Alttextilien nicht auf nationaler, sondern auf globaler Ebene funktioniert, ist ERP überzeugt, dass sich Synergien für den Übergang zu einer stärker zirkulären Praxis am effektivsten auf europäischer Ebene nutzen lassen.
Aus diesem Grund erweitert ERP seine Aktivitäten auf Spanien und Italien, weitere Märkte sollen folgen.
Damit stellen wir sicher, dass unsere Compliance-Lösungen den Herstellern nicht nur helfen, ihre gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen, sondern zugleich tatsächliche Wirkung entlang der realen Warenströme entfalten – für größere Effizienz und messbare Fortschritte auf dem Weg zur Kreislauffähigkeit.
Welche Auswirkungen hat die EU-Richtlinie auf die EPR-Gesetzgebung in den Niederlanden?
Die niederländische Regierung hat angekündigt, alle Vorgaben der neuen EU-Abfallrahmenrichtlinie (WFD) umzusetzen. Die entsprechende nationale Gesetzgebung soll im Juni 2027 veröffentlicht und im April 2028 in Kraft treten.
Die wichtigsten Änderungen für die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) im Textilsektor in den Niederlanden sind:
- Der Geltungsbereich wird erweitert und umfasst künftig auch Schuhe, Vorhänge und Decken.
- Es wird eigene Zielvorgaben für Schuhe geben.
- Die Pflicht zur Teilnahme an einem Rücknahmesystem (PRO) wird ausdrücklich Teil der EPR-Gesetzgebung.
- Es wird ein nationales Register eingeführt, in dem Hersteller und Importeure, die bei einem PRO registriert sind, erfasst werden.
Was können Sie uns zur Gebühr für 2026 sagen?
Gemeinsam mit unseren Partnern in der Rücknahmekette arbeiten wir daran, auch im kommenden Jahr die gesetzlichen Verpflichtungen zu wettbewerbsfähigen Preisen zu erfüllen.
Für 2026 rechnen wir allerdings mit moderaten Anpassungen nach oben, da mehrere Faktoren zu einem Kostenanstieg führen:
- Entwicklungen im Secondhand-Markt, wo sinkende Wiederverkaufspreise die Erlöse aus gebrauchten Textilien reduzieren,
- eine Erhöhung der Gesamtziele für Wiederverwendung und Recycling um 10 %,
- Kostensteigerungen durch Inflation, und
- ein deutlicher Anstieg der Transport- und Sammelkosten infolge höherer Steuern.
Die Gebühr für 2026 haben wir unseren Kundinnen und Kunden bereits mitgeteilt.
Wenn Sie mehr über ERP Netherlands erfahren möchten, können Sie mich gern direkt kontaktieren.
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